Samstag, 26. Mai 2012

Ilija Trojanow - EisTau


Zeno Hintermeier, einst Professor für Glaziologie, hat sein Leben und Arbeiten einem Gletscher in den Alpen gewidmet. Als dieser Gletscher dem Sterben geweiht ist, stürzt Zeno in eine tiefe Krise und gibt seinen Job auf. Jahre später heuert er dank eines Freundes auf einem Kreuzfahrtschiff an, und begleitet die Passagiere als Expeditionsleiter und Lektor auf der Reise in die Antarktis. Doch Zeno ist so gar nicht zufrieden damit, wie seine Mitmenschen mit der vermeintlich unberührten Natur des Südpols umgehen...

Ein ernstes und äußerst wichtiges Thema, das Ilija Trojanow hier angeht. Auch die Geschichte um Zeno, den der Leser hier in Form der Lektüre seines Notizbuches begleiten darf ist gut durchdacht. Nur leider fand ich den Schreibstil schon beinahe grauenhaft. Sehr viele Kommas und fast ausschließlich scheinbar endlose Bandwurmsätze. Ich habe mich mehrmals dabei ertappt, den ein oder anderen Abschnitt zweimal lesen zu müssen.
Fast hätte ich dieses Buch abgebrochen, doch einzig das am Ende der einzelnen Kaptitel (die übrigens mit den aktuellen Koordinaten des Schiffes betitelt sind) eingestreute Kauderwelsch aus Nachrichten und Funksprüchen hat mich so neugierig gemacht, dass ich bei der Stange geblieben bin. Schade, denn ich hatte mir mehr erhofft.

Fazit: Eine sehr gute Idee, die leider am Schreibstil des Autor scheitert, da ein flüssiges Lesen kaum möglich ist.

Bewertung: ★★☆☆☆

Montag, 21. Mai 2012

Ivar Leon Menger - Darkside Park: Ankunft in Porterville


In Porterville, Maryland geschehen seltsame Dinge. Viele Menschen verschwinden spurlos, nur wenige tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Dann allerdings sehr verwirrt und ohne Orientierung. Und warum gibt es in der Stadt mit außergewöhnlich niedriger Kriminalitätsrate so viele Obdachlose?
Vor Jahren wurde der St. Helena Park, auch bekannt als Darkside Park dichtgemacht und bebaut. Doch was geht in diesem Areal wirklich vor?

Das Autorenteam, das dieses Buch bzw. das dazugehörige Hörbuch geschrieben haben, haben sich eine außergewöhnliche Geschichte ausgedacht. Es werden die Schicksale verschiedenster Einwohner Portervilles aus der Ich-Perspektive beleuchtet. Und der Leser wird auf die Folter gespannt, denn so Richtig erfährt man nicht, was im mysteriösen Darkside Park geschieht, erhält jedoch immer wieder kleine Tipps.
Was mir weniger gefallen hat, ist die Sprunghafte Erzählweise während der Beschreibung der einzelnen Schicksale. Das brachte mich immer wieder aus dem Tritt und ein flüssiges Lesen war so leider nicht möglich.

Fazit: Ein spannender Thriller in außergewöhnlicher Erzählweise mit einigen Schwächen, den man nicht unbedingt gelesen haben muss, jedoch aufgrund der geringen Seitenzahl (184) zwischendurch in einem Rutsch durchlesen kann.

Bewertung: ★★★☆☆

Sonntag, 20. Mai 2012

Viveca Sten - Die Toten von Sandhamn


In der Nacht zum 4. November 2006 verschwindet die junge Lina Rosén spurlos. Eine groß angelegte Suche bringt für Thomas Andreasson und seine Kollegen der Polizei Nacka keine Ergebnisse, denn durch einen schweren Sturm sind alle möglichen Spuren weggespült. Aufgrund einer Andeutung von Linas besten Freundin, wird schließlich ein Selbstmord vermutet und die Suche eingestellt.
Als die Söhne von Nora Linde, Thomas' engster Freundin, die die Winterferien auf der Schäreninsel verbringen, im Wald einen grausamen Fund machen, wird schnell klar, dass es sich bei Linas Verschwinden um ein grausames Verbrechen handelt.

Viveca Sten hat mit Thomas Andreassons drittem Fall einen äußerst packenden Krimi geschrieben. Die Autorin baut ihren Krimi in zwei Handlungsstränge auf. Zum einen die Geschehnisse um Lina Rosén in der Gegenwart und zum anderen das Leben von Thorwald um 1920. Die beiden Stränge wechseln sich immer wieder ab und verweben sich geschickt zu einem stimmigen Ganzen. Frau Sten beschreibt zwar die Schäreninsel und die Protagonisten der Geschichte sehr genau, doch deutet die Autorin den Zustand des Fundes nur an, wodurch die Fantasie des Lesers angeregt wird. Der ganze Stil dieses Krimis gefiel mir sehr, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Dies war mein erstes Buch über Ermittler Thomas Andreasson, jedoch konnte ich dadurch keine Beeinträchtigung beim Verständnis feststellen. Zwar werden einige male kurz Geschehnisse aus der Vergangenheit von Thomas und Nora angerissen, doch kann man das Buch auch sehr gut ohne die vorherige Lektüre der anderen Bände lesen.
Das Cover, dessen Bild ein Holzhäuschen auf einer Schäreninsel ziert, passt perfekt zur Geschichte über den scheinbar idyllischen Schärengarten.

Fazit: Ein packender Krimi über eine Tragödie, die vor über 100 Jahren im Schwedischen Schärengarten ihren Anfang nahm. Eine großartige Lektüre für alle Krimi- und Schwedenfans. Und ab sofort einer meiner Favoriten. Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung: ★★★★★


Vielen Dank an den Kiepenheuer&Witsch Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Freitag, 18. Mai 2012

Vincent Kliesch - Der Prophet des Todes


In Berlin wird ein getrennt lebendes Ehepaar Tot aufgefunden. Offensichtlich eine Familientragödie. Doch als bei den Sachen der Frau ein Brief mit einer mysteriösen Nachricht gefunden wird, wird Julius Kern zu den Ermittlungen hinzugezogen. Er beginnt in seiner außergewöhnlichen Ermittlungstechnik die Fährte des "Nostradamus" zu verfolgen, bis er selbst eine Todesprophezeihung erhält, in der seine Familie im Zusammenhang mit Tassilo bedroht wird. Vom Fall abgezogen, beginnt Kern auf eigene Faust zu ermitteln und es folgt ein rasanter Wettlauf mit der Zeit.

Vincent Kliesch hat mit diesem Thriller seine Reihe um Kern und Tasslio großartig fortgeführt und die ersten beiden Bände sogar noch getoppt!
Äußerst spannend beschreibt der Autor hier in von ihm gewohnt direktem und schnörekllosem Stil wenige Tage im Leben der beiden Hauptprotagonisten Tassilo, der sich in London niedergelassen und ein Restaurant eröffnet hatte und Kommissar Julius Kern. Die kurzen, abwechslungsreichen Kapitel, in denen nicht nur Kern und Tassilo begleitet werden, lassen auch dieses Buch zu einem absoluten Pageturner werden.
Soviel sei zum Ende gesagt: Herr Kliesch, der ja bereits angedeutet hatte, dass es sich hiermit um den letzten Teil der Todes-Reihe handeln sollte, hat das Ende sehr geschickt gelöst.
Ich freue mich schon auf weitere Bücher dieses Ausnahmeschriftstellers!

Fazit: Ich bin begeistert! Dieses Buch hat mich nicht mehr losgelassen, und ich habe eine halbe Nacht durchgelesen. Der Autor hat das unmögliche geschafft, und seine ersten beiden Thriller sogar noch getoppt. Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung: ★★★★★

Montag, 14. Mai 2012

Vincent Kliesch - Der Todeszauberer


Drei Jahre sind nun seit den Ereignissen um den "Putzteufel" vergangen und es ist Ruhe in Kerns Arbeits- und Privatleben eingekehrt. Er hat sich dauerhaft zurück nach Berlin versetzen lassen und auch in seiner Ehe scheint alles wieder beim Alten. Doch dann wird am Ufer der Havel eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden und schnell wird den Ermittlern bewusst, ein Serienmörder, der bereits seit Jahren ganz Deutschland in Angst und Schrecken versetzt, ist nach Berlin gekommen. Seine Opfer haben nur eine schwere Wunde an der rechten Schläfe gemeinsam. Unterstützung für Julius Kern in diesem brisanten Fall reist aus Bayern an, in Form der attraktiven Münchner Polizistin Eva Fuchs. Und auch Julius Widersacher Tassilo Michaelis meldet sich zurück.

Vincent Klieschs direkter Schreibstil hat mich auch dieses Mal wieder vollauf begeistert. Die kurzen Kaptitel und der abwechslungsreiche Handlungsaufbau des Ersten Romans "Die Reinheit des Todes" finden sich auch hier wieder, und lassen das Buch zu einem absoluten Pageturner werden, dessen Spannung sich mit jeder Seite noch zu steigern scheint. Kerns Jagd auf den Mörder ist wieder ein absoluter Genuss, und wie auch schon im Vorgängerroman wird neben Julius Kern auch wieder auf Tassilo und den "Schläfenmörder" eingegangen.

Fazit: Eine großartige Fortsetzung der Reihe, die dem ersten Teil in nichts nachsteht. So etwas erlebt man selten! Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung: ★★★★★

Donnerstag, 10. Mai 2012

Vincent Kliesch - Die Reinheit des Todes


Julius Kern wird als Verstärkung zurück an seinen alten Einsatzort Berlin gerufen. Dort bietet sich ihm ein bizzares Bild: ein bis aufs letzte akribisch gesäuberter Tatort. Die Leiche einer Apothekerin liegt in reinweißem Hemd aufgebahrt auf dem Küchentisch, nur ein winziger Fleck Asche stört das Bild... Kerns Kollegen und Freund Quirin tappen seit Monaten im Dunkeln was den "Putzteufel" betrifft. Doch nicht alle sind begeistert, dass er das Team verstärkt, denn Julius Kern ist vor 3 Jahren fast am Freispruch des von ihm überführten Massenmörders Tassilo zerbrochen.
Während Kern und sein Team versuchen, die wenigen Puzzleteile zusammenzufügen, sucht der "Putzteufel" Raphael nach weiteren Menschen, die seiner Hilfe bedürfen.

Der Comedian Vincent Kliesch schrieb hier einen großartigen Debütroman. Kurze Kapitel und immer wieder stückchenweises Heranführen an die gemeinsame Vergangenheit von Kern und Tassilo lassen der Langeweile überhaupt keine Chance. Man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, um ja schnellstmöglich zu erfahren, was damals zwischen Tassilo und seinen Opfern geschah, und ob bzw. wie Julius Kern dem "Putzteufel" auf die Schliche kommt.
Der Autor besticht durch einen schnörkellosen, einfachen Schreibstil, der den Leser regelrecht am Geschehen teilhaben lässt. Vincent Kliesch begleitet in seinem Thriller hauptsächlich Hauptkommissar Julius Kern und Raphael, schwenkt aber auch immer wieder zu den Nebendarstellern, wodurch sich dem Leser ein klares und detailliertes Bild fast aller Protagonisten erschließt.

Fazit: Ein großartiger Auftakt zu einer Thriller-Reihe, der große Lust auf Mehr von diesem außergewöhnlichem Debüt-Roman macht. Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung: ★★★★★

Samstag, 5. Mai 2012

Josie Lloyd & Emlyn Rees - Das verflixte siebte Jahr


Amy und Jack sind nun seit sieben Jahren verheiratet. Als vor zwei Jahren ihr gemeinsamer Sohn Ben zur Welt kam, scheint das Glück perfekt. Doch Amy ist mit der Kindererziehung überfordert, fühlt sich nutzlos, da sie keinen Job hat und zu guter letzt scheint Jack ihr Leben als Hausfrau und Mutter nicht zu respektieren.
Jack hingegen hat seinen großen Traum, Künstler zu sein aufgegeben um seine Familie ernähren zu können, und arbeitet nun als Landschaftsgärtner. Der Job ist hart und nicht zu gut bezahlt, sodass die Finanziellen Sorgen an beider Nerven zehren, und ihre Beziehung wird im berühmten verflixten Siebten Jahr immer wieder auf den Prüstand gestellt...

Der Roman des verheirateten Autorenduos lässt sich locker und schnell lesen, und ist in den verschiedenen Ich-Perspektiven von Amy und Jack geschrieben. Was sich durch die unterschiedlichen Schriftarten die beiden zugeordnet sind auch sehr gut auseinanderhalten lässt.
Doch ehrlich gesagt, was meine Meinung zu diesem Buch betrifft, bin ich sehr zwiegespalten. Einerseits habe ich mich schon gut unterhalten gefühlt und war auch immer wieder amüsiert über die komischen Situationen in die Amy und Jack sich immer wieder selbst hineinbefördert haben. Doch andererseits hat mich das "der Mann, der sexbesessene Höhlenmensch" getue von Jack sehr genervt. Außerdem wird der Leser bei Jack das ganze Buch über meist im Dunkeln gelassen, was denn nun wirklich geschehen ist, um dann am Ende des Buches mit allen Details überhäuft zu werden.

Das ist der dritte Roman über Amy und Jack Rossiter. Man muss die ersten beiden Teile jedoch nicht gelesen haben, denn man wird nebenbei über die vergangenen Geschehnisse informiert.

Fazit: Ein in ungewöhnlicher Weise geschriebener Roman, der zwar für leichtes Lesevergnügen sorgt, den man meiner Meinung nach aber nicht gelesen haben muss.

Bewertung: ★★★☆☆

Dienstag, 1. Mai 2012

Oliver Pötzsch - Die Ludwig-Verschwörung


Als Steven Lukas in seinem Antiquariat ein altertümliches Holzkästchen findet, staunt er nicht schlecht: jemand muss es hier deponiert haben, denn es ist ihm völlig unbekannt. Auch der Inhalt des Kästchens sorgt für Überraschungen, denn es enthält eine Haarlocke; Fotos, die ganz offensichtlich Ludwig II. zeigen und ein Tagebuch, verfasst in einer Geheimschrift von einem Vertrauten des Märchenkönigs. Steven macht sich gemeinsam mit der Kunstdetektivin Sara Lengfeld auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Doch die beiden sind nicht allein, sie werden von Kapuzenmännern gejagt, und ein Fanatiker ist sogar bereit, über Leichen zu gehen um an das Tagebuch zu kommen...

Wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt dieser Roman vom größten Geheimnis Ludwigs II., seinem mysteriösen Tod. Oliver Pötzsch hat eine bis zur letzten Seite spannende Geschichte geschrieben, deren detailgetreuer Schreibstil dafür sorge trägt, dass der Leser sich die pompösen Schlösser des bayrischen Königs und seine Zeit vor Augen führen kann.
Sehr gelungen finde ich die Tagebucheinträge, die immer wieder in die Geschichte eingestreut werden. Sie trugen dazu bei, das das Buch zu einem Pageturner wird. Möchte man doch unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht.
Passend zum Thema ziert das Buch ein düsteres Cover, das Schloss Neuschwanstein zeigt und mit Blutspuren versehen ist.

Natürlich ist in dieser Geschichte vieles der Fantasie des Autors entsprungen, doch erhält man auch einiges an Hintergrundwissen über den bayrischen Märchenkönig, der seiner Nachwelt bis über seinen Tod hinaus ein Rätsel geblieben ist.

Fazit: Absolute Leseempfehlung! Dieser packende Roman ist eine großartige Lektüre für alle Ludwig-Fans und die, die es noch werden wollen! Und ab sofort einer meiner Favoriten.

Bewertung: ★★★★★