Samstag, 20. Dezember 2014

Kristin Harmel: Solange am Himmel Sterne stehen


Roses liebste Zeit beginnt wenn die Sonne am Horizont verschwindet und die ersten Sterne am Himmel zu sehen sind. Dann erinnert sie sich an ihre Liebsten und ihre lange verschwiegene Vergangenheit im von Nazis besetzten Paris. Als ihr mit zunehmendem Alter und fortschreitender Alzheimer-Erkrankung die Zeit davonrennt bittet sie ihre Enkelin Hope bei der Suche ihrer Angehörigen zu helfen.
Für Hope, die mit einer Scheidung, einer pubertierenden Tochter und einer schlecht laufenden Bäckerei genug Probleme hat, eine schwere Entscheidung. Doch letztlich tut sie alles dafür, den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen, und auch ihre eigenen Wurzeln zu erforschen...

Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt.
Eine abwechslungsreiche Erzählweise, in der man auch immer wieder Einblick in Roses schwindende Erinnerungen erhält, und die fast durchweg sympathischen Protagonisten ließen mich das Buch in kürzester Zeit verschlingen.
Die kurzen Kapitel sind in einem angenehmen, flüssigen Stil verfasst und die Spannung steigert sich quasi von Seite zu Seite. Die Autorin versteht es bestens, die verschiedensten Emotionen auch beim Leser ankommen zu lassen.
Zudem erfährt man einiges über Alzheimer, die Schwierigkeit für Erkrankte und Angehörige damit umzugehen, und auch den Antisemitismus unter den Nationalsozialisten damals in Paris.

Fazit: Wunderbar mitreißend und emotional. Ein Buch das man äußerst ungern aus der Hand legt. Absolute Leseempfehlung und Favoritenstatus von mir!

Bewertung:

Elisabeth Herrmann: Schattengrund


Als die siebzehnjährige Nicola das Haus ihrer verstorbenen Tante erbt, kann sie die heftige Abwehrreaktion ihrer Eltern nicht verstehen. Tante Kiana wird als schwarzes Schaf und leicht irre bezeichnet. Nico, die kaum mehr eine Erinnerung an Schattengrund und ihre Bewohnerin hat, beschließt das abgelegene Haus im Harz auf eigene Faust zu besuchen, und wenn möglich auch die Rätsel zu lösen, die Kiana ihr in ihrem Testament auferlegt hatte.
Im Dorf Siebenlehen angekommen, wird die Erbin von Schattengrund jedoch alles andere als wohlwollend empfangen. Was ist damals wirklich geschehen, als Kiana nicht "gut genug aufgepasst" hat...?

Ein verworrenes Katz- und Mausspiel wird dem Leser bei dieser Lektüre serviert. Neben den vielen seltsamen und manchmal hastig erzählten Ungereimtheiten und Seltsamkeiten ist es es auch die Hauptdarstellerin Nico, an die man sich erst gewöhnen muss. Ihren männlichen Gegenpart und Retter in allen möglichen - und unmöglichen - Situationen schloss ich hingegen gleich ins Herz. Ein tatkräftiger Junge der sich kaum jemals aus der Ruhe bringen lässt, und allein schon der ganzen Schneesturm- und Verfolgersache nicht leichtfertig und blauäugig entgegen sieht.
Nicos unüberlegte Ausbrüche und das ellenlange Verwirrspiel haben mich erst nach etwa der Hälfte des Buches gefesselt. Zwar ist das Buch flüssig und in einem angenehmen Stil geschrieben, jedoch bei manchen - wichtigen - Abschnitten etwas zu hektisch erzählt, sodass ich einige Male den Geschehnissen kaum nachgekommen bin.

Fazit: Leider hat mich die Geschichte um Nico und ihr Schattengrund nicht ganz so mitreißen können wie erhofft. Daher gibts von mir nur 3 von 5 Fuxxis.

Bewertung:

Montag, 1. Dezember 2014

Tim Pieper: Mord unter den Linden (Dr. Otto Sanftleben 01)


Berlin 1890: Kriminologe Dr. Otto Sanftleben erforscht die Körpersprache von Menschen. Daher wird er gebeten, zur Aufdeckung des Mordes an einer jungen Näherin beizutragen. Revueschauspielerin Friederike Dürr gibt dem Ermittlerpaar Sanftleben/Comissarius Funke einen wichtigen Hinweis, und weckt unversehens längst totgeglaubte Gefühle in Otto Sanftleben, und schneller als ihm bewusst wird dieser mitten in eine weitreichende Intrige hineingezogen...

Tim Pieper erzählt die Anfangszeiten deutscher Kriminalarbeit in damals zeitgemäßer Sprache und Stil. Glücklicherweise wirkt das aber zu keiner Zeit angestaubt oder behindert gar im Lesefluss. Im Gegenteil.
Der Kriminalfall, Ottos Ermittlungen und die Schwierigkeiten die man zur damaligen Zeit bei der Aufdeckung solcher Ereignisse hatte werden spannend, abwechslungsreich und flüssig erzählt. Daher hat man das Buch trotz seiner recht kleinen Schrift sehr schnell gelesen.
Die Spannung bleibt konstant auf einem hohen Level, da der Leser mit vielen Wendungen und eigen Sackgassen konfrontiert wird. Immer wieder erheiternd und zu einem schmunzeln anregend waren neben seinem aufmüpfigen Diener die Auseinandersetzungen, die Otto aufgrund seiner Radsporttätigkeit mit Kriminaldirigent Grabow hatte.

Fazit: Für mich sicher nicht das letzte Buch über Dr. Otto Sanftleben. Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung:

Sarah Heumann: High Heels im Hühnerstall


Als Großstadtpflanze Anna von ihrem Lover Nico ausgerechnet mit ihrer besten Freundin betrogen wird flüchtet sie kurzerhand aufs Land zu ihrer Tante Stops. Die Lieblingstante aus Kindertagen freut sich unbändig auf den längst überfälligen Besuch ihrer Nichte. Doch das Landleben ist auf den ersten und zweiten Blick so gar nicht Annas Ding. Aber neben den kuriosen Dorfbewohnern Untergrasbachs ist da noch Martin, der Pächter der Mühle und auch Tante Stops hat noch ein Ass im Ärmel...

Die Geschichte von der Selbstfindung Annas ist mir leider zu sprunghaft und hastig erzählt. Die mit steigender Seitenzahl immer nerviger werdende Protagonistin stolpert von einer Katastrophe in die nächste, ohne dass diese näher erzählt wird oder der Leser mal Luft holen darf. Hinzu kommt eine beachtliche Anzahl unterschiedlicher Dialekte, bei denen man irgendwann nicht mehr durchsteigt. Außerdem blieben mir die Darsteller deutlich zu blass. Hier hätte man gerne einige Details mehr erzählen und man der Geschichte mehr Zeit geben können.
Sarah Heumanns Idee der Großstadtpflanze auf dem maroden Erb-Hof ist an und für sich eine gute Idee. Das, mit dem sympathischen Martin und der quirligen Tante Stops konnte bei mir den Karren noch ein Stück weit aus dem Dreck ziehen, wie man auf dem Land so schön sagt.

Fazit: Hat mich mit den blassen und nervigen Protagonisten leider nicht überzeugt. Dieses Buch muss man nicht wirklich gelesen haben. Daher gibts nur 2 Punkte und diesmal keine Leseempfehlung von mir.

Bewertung:

Dan Wells: Sa(r)g niemals nie


England 1817: um an das zur damaligen Zeit gigantische Erbe eines verstorbenen Geschäftsmannes zu kommen, fälscht Banker Oliver Beard nicht nur Unterlagen um sich als dessen Neffe auszugeben, er legt sich nach seiner Verurteilung wegen Urkundenfälschung sogar in einen Sarg um dem Gefängnis zu entfliehen. Als Oliver schließlich ausgerechnet zu Mitternacht auf einem Friedhof aus dem Sarg steigt, hält ihn eine Gruppe Vampire  für ihren Auserwählten. Was der wahre Gebieter wiederum so gar nicht lustig findet...

Ein flotter, kurzweiliger Kriminalroman mit einer großen Portion britischem Humor. Der Autor erzählt die verworrene Geschichte um Oliver Beard und seinen Erbschaftsbetrug in einem herrlich flüssigen Stil. Und beim lesen dieses Buches musste ich mich wirklich oft zurückhalten um nicht laut loszulachen, selbst in der schier ausweglosesten Situation des Hauptprotagonisten hat Dan Wells noch einen Lacher für seine Leser parat.
Auch wenn der Anfang ein ganz klein wenig holpert, die Figur Oliver hat man spätestens dann ins Herz geschlossen wenn der Betrüger betrogen wird und der Dichter John Keats seinen Auftritt hat. Von da an stolpert man mit Freude gemeinsam mit den Beiden von einem Drama ins nächste.

Dank der durchweg hohen Spannungskurve hat man das Buch in kurzer Zeit verschlungen, was für mich auch der einzige "negativ"-Punkt war: es war leider zu schnell vorbei ;)
Wenn die anderen Bücher Dan Wells in einem ähnlichen Stil verfasst sind, wird dieses hier sicher nicht das letzte gewesen sein, das ich von ihm gelesen habe.

Fazit: Ein etwas untypischer Vampirroman voller schwarzem Humor. Ich will mehr davon! Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung: