Donnerstag, 10. September 2015

Laurin Dahlem: Ein Trainer mit gewissen Vorzügen


Lennard ist in seinen Taekwondo-Trainer Aadil verliebt. Seinetwegen hat er sogar von Karate zur anderen Kampfsportart gewechselt. Dass zwischen ihnen jemals etwas laufen könnte, hätte er jedoch nicht für möglich gehalten. Doch die wachsende Spannung zwischen den beiden entlädt sich nach einem anstrengenden Lehrgang...

Laurin Dahlem erzählt die Liebes-Geschichte zwischen Lennard und Aadil in einem schön zu lesenden kurzweiligen und flüssigen Stil. Die Spannung, ob sich die beiden nun kriegen oder nicht, bleibt immer schön hoch.
Beide Hauptprotagonisten sind sympathisch und wirken in ihrer Unsicherheit dem anderen Gegenüber schön authentisch, genauso wie die erotischen Momente in der Geschichte.
Und so ist die knapp 50 Seiten lange Novelle auch wirklich schnell durchgelesen. Leider wird Aadils Vergangenheit, die für seine Zurückhaltung verantwortlich ist, nur leicht angerissen, machte mich aber sehr neugierig darauf. Die Auflösung wäre mir persönlich noch wichtig gewesen, und daher gibts nur 4 statt 5 Punkten.

Fazit: Schön und flott zu lesende Gay-Romance für zwischendurch. Wer solche Geschichten mag, ist hier definitiv richtig aufgehoben. Von mir gibts auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Bewertung:

Chevy Stevens: Still Missing - Kein Entkommen (Nadine Lavoie 01)


Die junge aufstrebende Immobilienmaklerin Annie O'Sullivan wird bei einer Open-House Besichtigung von einem unbekannten entführt. Der Täter hat sie über ein Jahr in seiner Gewalt und missbraucht sein Opfer nicht nur körperlich, sondern durch seinen Kontrollzwang auch seelisch. Annie kann sich auch nach ihrer Rückkehr in ihr "altes Leben" den Psychospielchen ihres Entführers nur schwer entziehen...

Dieser Thriller ist völlig anders erzählt als alles was ich bisher gelesen habe. Und gerade das macht das Buch zu einer besonders spannenden Lektüre!
Annie ist ihrem Entführer entkommen, das erfährt man gleich zu beginn. Als Leser darf man unsichtbares Mäuschen bei den Sitzungen spielen, die Annie bei Psychotherapeutin Nadine Lavoie hat, und zwar ausnahmslos. So erfährt man nach und nach durch Annies Erzählungen die Grausamkeit, die der jungen Frau bei ihrem Entführer erfahren musste.
Annie mochte ich gleich zu Beginn, und ich wünschte ihr von Seite zu Seite mehr, dass die Schrecken des vergangenen Jahres endlich ein Ende für sie haben.

Jedes Verbrechen das man sich nur Vorstellen kann, wurde auch schon begangen, sagt Gary, der Cop der sich um Annies Fall kümmert. Eine Tatsache, die man nicht von der Hand weisen kann, und daher wirkt auch diese Entführung sehr authentisch. Die Auflösung des Tathergangs, bei dem ich bis zum Schluss im Dunkeln tappte, macht daher den Auftakt von Chevy Stevens Nadine-Lavoie-Reihe richtig schön rund. Die junge Autorin, die für dieses Debüt meiner Meinung nach absolut verdient den International Thriller Award erhalten hat, hat mich neugierig auf ihre anderen Bücher gemacht. Daher wird ganz sicher in naher Zukunft "Never Knowing - Endlose Angst" auf meinem SuB landen, und ich hoffe der Nachfolger ist ein ebenso toller Pageturner wie das Erstlingswerk der Autorin.

Fazit: Großartiger Thriller über die Abgründe der Menschheit. Dieses Buch hat mich bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Absolute Leseempfehlung von mir!

Reihenfolge:
01. Still Missing - Kein Entkommen
02. Never Knowing - Endlose Angst
03. Blick in die Angst

Bewertung:

Chris Carter: Der Totschläger (Hunter & Garcia 05)


Das Grauen in L.A. hat ein neues Level erreicht: Hunter erhält einen Anruf mit der Forderung eine Website zu öffnen. Was ihn auf dieser Internetseite erwartet übersteigt alles was er bisher gesehen hat. Ein Mann sitzt in einem Glasbehälter gefesselt und der Täter erwartet dass Hunter entscheidet wie das Opfer sterben soll. Alle Versuche Hunters das unvermeidbare zu verhindern scheitern, und er und Carlos müssen hilflos mit ansehen wie Kevin Parker stirbt. Und der Täter hat nach diesem einen Mord noch lange nicht genug...

Wieder ein Thriller von Chris Carter der einem absolutes Gänsehaut-Feeling beschert. In seinem fünften Buch über das Ausnahme-Ermittlerduo Hunter und Garcia steht Carter der Grausamkeit seiner Täter den Vorgängern in nichts nach. Obwohl die Sensationsgier der Bevölkerung einfach nur widerlich ist, und der Täter unglaublich sadistisch vorgeht, kann man das Buch nicht weg legen.
Der flüssige und detailreiche Schreibstil Carters begeistert mich auch nach 5 Büchern nach wie vor.

Hunter und Garcia agieren hier auch nicht allein, eine Hochbegabte Hackerin des FBI steht meinen beiden Lieblingen mit Rat und Tag zur Seite.

Fazit: Auch Chris Carters 5. Thriller über sein Ermittlerduo Hunter & Garcia landet auf meiner Favoritenliste und heimst 5 Punkte ein! Absolute Leseempfehlung von mir!

Reihenfolge:
01. Der Kruzifix-Killer
02. Der Vollstrecker
03. Der Knochenbrecher
04. Totenkünstler
05. Der Totschläger


Bewertung:

Chris Carter: Totenkünstler (Hunter & Garcia 04)


So etwas haben selbst Hunter und Garcia noch nicht erlebt: Als sie zu einem Mordfall gerufen werden, finden sie das Opfer - ein schwer Krebskranker Staatsanwalt - zerstückelt und zu einer bizarren Skulptur aufgebaut in seinem Schlafzimmer stehen. Besonders heftig: die Botschaft an der Wand, die der Täter für die junge Schwesternschülerin Melinda hinterlassen hat, die den Täter beinahe erwischt hätte. Kurz darauf wird eine weitere Leiche/Skulptur entdeckt. Der Täter hat sein Werk offensichtlich noch nicht beendet...

Nach drei großartigen und blutigen Thrillern sind meine Erwartungen schon sehr hoch, wenn ich ein Buch von Chris Carter zur Hand nehme. Und auch in seinem vierten Werk um die Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia hat mich der Autor nicht enttäuscht. Die Story ist wieder blutig, grausam und dermaßen detailliert geschildert dass einem bei den Skulpturen schon mal die Haare zu Berge stehen.
Und Hunter löst auch dieses Mal den komplizierten Fall auf seine ihm eigene Art und Weise.
Auch hier hat Chris Carter mich wieder bis zum Schluss an der Nase herumgeführt was den Täter betrifft. Zudem schön flüssig und spannend erzählt, ist auch Band 4 um die Jungs vom LAPD Mord I ein absoluter Pageturner, den man nur schwer aus der Hand legen kann.

Fazit: Es wird nicht langweilig um Hunter & Garcia. Für diese tolle Fortsetzung gibts eine absolute Leseemfehlung von mir!

Reihenfolge:
01. Der Kruzifix-Killer
02. Der Vollstrecker
03. Der Knochenbrecher
04. Totenkünstler

Bewertung:

Chris Carter: Der Knochenbrecher (Hunter & Garcia 03)


Ein weiterer grausamer Mörder macht Los Angeles unsicher uns ruft Detective Robert Hunter und seinen Kollegen Carlos Garcia auf den Plan. Eine Frauenleiche wird in die Rechtsmedizin gebracht. Äußerlich gibt es keine Hinweise auf die Todesursache. Einzig Mund und Vagina sind zugenäht. Bevor Rechtsmediziner Dr. Winston etwas über die Umstände berichten kann, explodiert eine Bombe, die der Täter in seinem Opfer platziert hat. Nicht sein einziges Opfer, das einen grässlichen Tod sterben muss...

Auch mit dem dritten Teil seiner Reihe um Robert Hunter und Carlos Garcia vom Morddezernat I in Los Angeles hat Chris Carter einen Thriller mit absolutem Gänsehaut-Feeling geschaffen.
Ein weiterer Blick über die Schultern der beiden Detectives auf die Abgründe der Menschheit.
Der Täter geht auch in Teil drei äußerst grausam mit seinen Opfern um und stört sich auch nicht daran, wenn unschuldige ihr Leben lassen.
Barbara Blake hat sich mittlerweile wohl an die Methoden ihres Star-Ermittlers gewohnt, aber jetzt muss sich Hunter mit einer neuen Rechtsmedizinerin auseinandersetzen. Aber Dr. Hove ist nicht nur sympathisch sondern auch äußerst kompetent und ersetzt Dr. Winston ausgezeichnet.

Chris Carter bleibt seinem direkten und schonungslos detaillierten Schreibstil weiterhin treu und hat mich zum dritten Mal an eines seiner Bücher gefesselt, das wieder von Vorne bis Hinten spannend geschrieben ist.

Fazit: Ein großartiger 3. Teil um das Ermittler-Duo Hunter und Garcia. Absolute Leseempfehlung von mir!

Reihenfolge:
01. Der Kruzifix-Killer
02. Der Vollstrecker
03. Der Knochenbrecher
04. Totenkünstler
05. Der Totschläger

Bewertung:

Maggie Stiefvater: Rot wie das Meer


Jedes Jahr beginnt der Herbst auf Thisby mit dem Erscheinen der Capaill Uisce - grausamen, todbringenden Wasserpferden. Und jedes Jahr sorgen diese Wasserpferde für ein einzigartiges Erlebnis: das Scorpio-Rennen, an dem die Reiter mit ihren Meerestieren gegeneinander antreten. Dieses Jahr jedoch will die junge Puck Connolly an dem Rennen teilnehmen bei dem schon so viele ihr Leben gelassen habe, und zwar mit ihrem Inselpony. Ein schier aussichtsloses unterfangen, denn Sean Kendrick hat mit seinem roten Hengst seit Jahren die Favoritenrolle inne und ihre Mitstreiter reagieren nicht gerade begeistert...

Maggie Stiefvater hat wieder ein außergewöhnlich mystisches Buch geschrieben. Und so sehr ich begeistert bin von ihrer Mercy-Falls Trilogie und der Raven-Boys Reihe, so sehr hab ich mich schwer getan erst mal in die Geschichte reinzufinden. Die ersten 100 Seiten waren ein harter Kampf, aber wenn man diese Schwelle mal überschritten hat, und sich von der Magie der monströsen Capaill Uisce gefangen nehmen lässt, erwartet den Leser eine wunderschöne Geschichte über zwei Teenager die für ihre Träume zu kämpfen wagen.
Puck mochte ich sofort aufgrund ihrer burschikosen Art und der Liebe zu ihrem Pferd. Sean musste sich da schon mehr anstrengen. Der wortkarge Jung mit besonderer Begabung im Umgang mit Meeresmonstern musste sich meine Sympathiepunkte erst verdienen, hat das aber spätestens zur Hälfte des Buches geschafft.

Die Idee der Wasserpferde hat mir sehr gut gefallen. Und ich bin sehr froh, dass ich das Buch nicht abgebrochen habe und mich nach und nach vom der Geschichte in ihren Bann habe ziehen lassen.
Maggie Stiefvaters flüssiger und bildhafter Schreibstil haben das sicher ihr Übriges dazu getan.


Fazit: Anfangs etwas sperrig, hat mich die Geschichte aber doch noch positiv überrascht. Für den zähen Beginn gibts einen Punkt Abzug, aber eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem aus.

Bewertung:

Patrick Rothfuss: Die Musik der Stille (Königsmörder Chronik Prequel)



Die Universität von Imre ist weithin bekannt. Völlig unbekannt ist jedoch das Mädchen Auri, das im Unterding wohnt. Dem scheinbar vergessenen Labyrinth das sich im Keller der Bildungsstätte befindet.

In "Die Musik der Stille" entführt uns die junge Nebendarstellerin der Königsmörder-Chronik in ihr Reich unter der Universität und zeigt uns ihre Sicht der Dinge.
Das Buch ist mit seinen 173 Seiten eigentlich eine recht kurze Angelegenheit, aber es ist bei weitem nicht so schnell gelesen wie man erwarten könnte.
Patrick Rothfuss warnt seinen Leser vor, dass die Geschichte etwas ungewöhnlich sei, und damit hat er völlig recht. Ich habe erwartet etwas mehr über das stille Mädchen zu erfahren, das Kvothe immer mal wieder Gesellschaft auf dem Dach leistet. Jedoch habe ich wenig neues erfahren, und auch nicht gerade viel Freude beim Lesen dieses Buches gehabt. Denn die Geschichte ist derart verworren und ohne jegliche Spannung erzählt, dass ich mich allein die Hoffnung, es möge doch noch etwas wichtiges für die Hauptgeschichte passieren, bei der Stange gehalten hat.
Der detaillierte und besondere Schreibstil, der mich die Königsmörder Chronik verschlingen ließen, ist hier quasi nicht existent. Und so hat mich das Buch zum Schluss sehr enttäuscht zurück gelassen.

Fazit: Zäh und sperrig, leider ist nichts vom Zauber der Königsmörder-Chronik in diesem Buch zu finden. Es gibt diesmal leider keine Leseempfehlung von mir.

Bewertung:

Dienstag, 8. September 2015

Anthony Doerr: Alles Licht das wir nicht sehen


Das von den deutschen besetzte französische Hafenstädtchen Saint-Malo 1944: Vier Jahre zuvor ist die sechzehnjährige Marie-Laure mit ihrem Vater Daniel LeBlanc aus dem überrannten Paris zu seinem Onkel in die Stadt in der Bretagne geflohen. Daniel, der lange als Schlüsselmeister des "Muséum National d`Histoire Naturelle" in der Hauptstadt gearbeitet hat, trug in seinem Rucksack den wohl kostbarsten Schatz der Welt mit sich. Das "Meer der Flammen", ein Diamant von schier unschätzbarem Wert um den sich zahlreiche Märchen über Tod und Ewiges Leben ranken und den zu Besitzen schon viele Leute in den Ruin getrieben hat. Stabsfeldwebel Reinhold von Rumpel, Hitlers Edelsteinexperte, weiß ebenfalls um das Schmuckstück und hat schon vor Jahren die Jagd auf den Schatz aufgenommen, der gut versteckt in dem kleinen Modell der Stadt, das Daniel LeBlanc zur Orientierung für seine blinde Tochter angefertigt hat.
Im Ruhrgebiet wächst währenddessen Werner Hausner heran, ein Waisenjunge mit einer außergewöhnlichen technischen Begabung, die ihm einen Platz in einer Spezialschule und später einer Spezialeinheit der Wehrmacht sichert. Der junge Werner zieht durch die Lande um die Feindsender der Wiederstandskämpfer aufzuspüren und zu vernichten... Eben solche Sender, die Marie-Laure und ihr Großonkel Etienne auf dem Dachboden ihres Hauses betreiben und die Kämpfer der Résistance mit Daten und Koordinaten zu versorgen...

Anthony Doerr erzählt die Geschichten von Marie-Laure LeBlanc und Werner Hausner mit einer außergewöhnlichen und richtiggehend poetischen Sprachkunst, die zwar ausführlich und bildgewaltig daher kommt, aber nie zur Langeweile neigt. Im Gegenteil, die nur wenige Seiten langen Kapitel und abwechselnd aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten erzählte Geschichte, ist wunderbar Spannend und überraschend kurzweilig erzählt. Hauptsächlich begleitet der Leser Marie-Laure und Werner im Wechsel. Aber auch ein paar Nebenrollen dürfen sich über die Schulter schauen lassen und der Diamantenexperte Reiches kommt ebenfalls immer mal wieder zu Wort.
Der Autor wirft seine Leser gleich mal in den August 1944, als Saint-Malo kurz vor dem Ruin steht. Und zieht dann eine Schleife von 1934 bis 2014, jedoch kehrt er regelmäßig zu den Geschehnissen 1944 zurück, um das Ganze für mich noch spannender zu machen. Mit den Blicken auf die Jahre 1974 und 2014 wird auch auf die Schwierigkeit des Lebens nach dem Krieg eingegangen, wie die Protagonisten mit dem erlebten langfristig umgehen. Das hat mir sehr gefallen. Wie auch Marie-Laures Satz "Jede Stunde fällt jemand aus dieser Welt, für den der Krieg eine Erinnerung war".
Gekonnt zieht Anthony Doerr nach und nach seine Handlungsstränge zu einem Punkt zusammen, an denen sich die Lebenswege unsere liebgewonnenen Protagonisten für einen schicksalhaften Augenblick kreuzen.

Die beiden jugendlichen Hauptpersonen sind mir auf Anhieb sympathisch gewesen und sie wirkten sehr authentisch. Bei Werner wusste man sofort, er spielt nur seine Rolle, aufgrund der Tatsache dass damals niemand eine wirkliche Wahl hatte. Der Gedanke "Was du alles sein könntest" den ihm sein Freund und Kamerad Volkheimer ins Ohr gesetzt hatte, kommt ihm aber immer wieder. Und auch ein Satz seiner Schwester Jutta geht ihm oft im Kopf herum: "Ist es richtig, etwas zu tun, nur weil alle anderen es auch tun?". Doch Werner spielt weiter seine Rolle, auch wenn es ihm in vielen Nächten den Schlaf raubt.
Marie-Laure kämpft sich trotz ihrer Blindheit mit erstaunlich sicheren Schritten durchs Leben. Zu verdanken hat sie das ihrem liebevollen und fürsorglichen Vater. Und auch ihrer Wissbegierigkeit, die sie ständig auf Trab hält. Bei Etienne, ihrem Großonkel, der unzählige Bücher besitzt und so viel zu Wissen scheint, hat sie nach der Flucht aus Paris weg von den Professoren des Museums, einen großartigen Lehrer gefunden, der sie von den Gräueltaten der Deutschen Invasoren vor ihrer ablenkt. Eine Ablenkung die auch Etienne zu brauchen scheint, denn der ist psychisch noch schwer vom letzten Krieg, den er auf dem Feld miterlebt hat, gezeichnet.
Selbst für Reinhold von Rumpel, der eindeutig einen der Bösewichte in dieser Geschichte darstellt, hatte ich zum Schluss Verständnis für seine Besessenheit bezüglich des "Meer der Flammen".

Anthony Doerr hat mit "Alles Licht das wir nicht sehen" nicht nur einen wunderbaren Roman geschrieben, er hat seine Geschichte mit vielen geschickt gestreuten Hintergrund- und Detailwissen auch zu einem lehrreichen Buch gemacht, das ich sicher gerne nochmal in die Hand nehmen werde.

Ich mache das wirklich absolut selten, aber in diesem Fall habe ich mir einige der wunderschönen Sätze und Weisheiten in diesem Buch aufgeschrieben, so sehr hat mich das Buch bewegt:

"Die Zeit ist ein glitschiges Ding: verliere sie einmal aus den Händen und du bekommst sie womöglich nie weider zu fassen..."

"Man kann Glück haben oder auch Pech, eine leichte Neigung der Tage zu Erfolg oder Scheitern erleben. Flüche gibt es nicht".

Ein Teil Sendung des Franzosen den Werner mit seiner kleinen Schwester Jutta in ihrer Kindheit Nachts heimlich im Schlafsaal gehört haben, ist mir auch besonders in Erinnerung geblieben:

Das Gehirn ist natürlich in völlige Dunkelheit eingeschlossen, Kinder. Es treibt in klarer Flüssigkeit im Inneren des Schädels, nie im Licht. Und doch leuchtet die Welt die es in unseren Gedanken schafft. Sie fließt über mit Farbe und Bewegung. Und wie, Kinder, erschafft und das Gehirn, das ohne einen Funken Licht lebt, diese helle, strahlende Welt? (...) Öffnet eure Augen und seht was ihr sehen könnt, bevor sie sich für immer schließen."

Über den Autor:
Anthony Doerr wurde 1973 in Cleveland geboren und lebt seiner Freu und ihren beiden Söhnen in Boise, Idaho. Neben Erzählungsbänden wie Der Muschelsammler veröffentlichte Anthony Doerr die Romane Winklers Traum vom Wasser und zuletzt Alles Licht das wir nicht sehen. Für seine Erzählungen hat er bislang vier Mal den renommierten O.Henry Prize erhalten und wurde neben zahlreichen anderen Auszeichnungen auch drei Mal mit dem Pushcart Prize geehrt. Einen überragenden Erfolg feierte er mit dem Now York Times-Bestseller "Alles Licht das wir nicht sehen", der zu den Finalisten des National Book Award 2014 zählte und von der New York Times Book Review als einer von fünf belletristischen Titeln als Bestes Buch 2014 ausgezeichnet wurde, und für den er 2015 den Pulitzer-Preis erhielt (Quelle: Umschlagtext "Alles Licht das wir nicht sehen")

Fazit: Ein bildgewaltiger Roman der mich sofort in den Bann geschlagen hat. Wahrlich nichts das man einfach mal zwischendurch lesen kann, aber absolut zu empfehlen! Volle Punktzahl und zudem noch Favoritenstatus von mir!

Bewertung:

Mittwoch, 2. September 2015

Chris Carter: Der Vollstrecker (Hunter & Garcia 02)


Kurz vor Weihnachten wird ausgerechnet ein Priester brutal hingerichtet: er liegt in seiner Kirche in einem Kreis von Blut. Sein Kopf ist spurlos verschwunden, an seiner Stelle thront nun ein Hundekopf. Laut den Tagebüchern des Geistlichen sein größter Albtraum. Die blutige Zahl Drei auf der Brust des Opfers weist Robert Hunter und seinen Partner Carlos Garcia darauf hin, dass der Mörder noch weitere Ziele verfolgt...

 Ein Jahr nach den Geschehnissen um den Kruzifix-Killer lässt Chris Carter seine Leser wieder über die Schulter der beiden Detectives Hunter und Garcia blicken. Die beiden sind ein gut eingespieltes Team geworden und zudem privat befreundet. Ich fühlte mich in der Gegenwart der beiden sofort wieder wohl.
Die Abgründe der Menschheit ballen sich in L.A. und der Täter in Band 2 um die Ermittler aus Morddezernat I geht noch grausamer vor als der Kruzifix-Killer. Zudem bekommen Hunter und Garcia mit Barbara Blake eine neue Vorgesetzte, die mit Roberts Methoden, die Grenzen der Vorschriften etwas auszudehnen, nicht ganz einverstanden ist.  Der grausame Mörder weidet sich an den Albträumen seiner Opfer. Eine gruselige Vorstellung, die dem ohnehin spannend erzählten Thriller das i-Tüpfelchen aufsetzt.
Chris Carter bleibt seinem direkten und mitreißenden Schreibstil treu, der mich im Vorgänger so begeistert hat. Und habe ich Hunters und Garcias zweiten Fall mindestens ebenso schnell durchgelesen.
Der Fall blieb wieder bis zum Schluss spannend und die Auflösung machte das Ganze wieder schön rund.

Fazit: Eine geniale Fortsetzung des schon genialen Debütromans! Absolute Leseempfehlung von mir!

Reihenfolge:
01. Der Kruzifix-Killer
02. Der Vollstrecker
03. Der Knochenbrecher
04. Totenkünstler
05. Der Totschläger

Bewertung:

John Green: Margos Spuren



Seit er denken kann, war Quentin in seine Nachbarin Margo Roth Spiegelmann verliebt. Als Kinder gingen sie durch dick und dünn, doch der Zeit hat ihre Freundschaft nicht stand gehalten und so hat Q Margo lange Zeit aus der Ferne angehimmelt. Bis sie eines Nachts vor seinem Fenster auftaucht und ihn zu einem Rachefeldzug quer durch die ganze Stadt verleitet. Am nächsten Tag ist Margo Roth Spiegelmann scheinbar spurlos verschwunden. Nicht zum ersten Mal, doch dieses Mal ist Quentin fest davon überzeugt dass nur er sie finden kann...

Die treffenste Aussage über Margo hat Quentin selbst erkannt:

"Margo hat Rätsel immer geliebt. Und bei allem, was später passierte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass sie Rätsel vielleicht so liebte, dass sie selbst zu einem wurde."
Der Junge begibt sich mit seinen Freunden auf die Suche nach allen möglichen und unmöglichen Spuren und Hinweisen die Margo hinterlassen haben könnte. Doch die so sehr in Rätsel vernarrte Teenagerin macht es ihrem Sandkastenfreund nicht gerade leicht.
Und so konnte ich als Leserin Teil haben an diesem großartigen Roadmovie um Quentin, Margo, ihre Träume und das Erwachsenwerden.
John Green hat mich wie auch schon in "Eine wie Alaska" und "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" mit seinem außergewöhnlich flüssigen, einfachen aber dennoch bildhaften Schreibstil in rasanter Geschwindigkeit durch dieses Buch flitzen lassen. Einmal in die Hand genommen, legt man "Margos Spuren" nicht mehr weg. 
Quentin und seine Freunde sind sympathische Kerle wie du und ich. Keine super aussehenden Überflieger, die alles können und alles haben. Margo bleibt rätselhaft, doch genau das macht die Geschichte dermaßen spannend!

Fazit: Wieder ein großartiges Buch von John Green! Absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung:

Christina Lauren: Beautiful Bastard (Beautiful 01)


Chloe Mills hat täglich mit einem mürrischen, schlecht gelaunten Chef zu tun, der ihr im Büro allerhand abverlangt. Die talentierte Wirtschaftsstudentin weiß was und wohin sie will, und das ist auf keinen Fall eine Affäre mit Mr. Ryan beginnen.
Bennett Ryan ist der jüngste Spross der Eigentümer der Ryan Media Group und ein egoistischer, arroganter Bastard der sein Leben eigentlich bestens im Griff hat. Bis er auf seine Praktikantin Chloe Mills trifft. Eines Tages verliert er seine Selbstbeherrschung und Chloe und Bennett verstricken sich in ein stürmisches Netz aus obsessivem Verlangen...

Das Autorenduo Christina Hobbs und Lauren Billings, die sich hinter "Christina Lauren" verbergen lassen ihre Leser schon nach kürzester Zeit am Beginn der Affäre zwischen Chloe und Bennett Teil haben. Flüssig und kurzweilig abwechselnd aus der Sicht beider Hauptprotagonisten erzählt hat man das Buch sehr schnell durchgelesen. Und wie am Klappentext versprochen, halten die Beiden mit der Erotik nicht gerade hinter dem Berg.
Die ehrgeizige Chloe war mir sofort sympathisch, und auch mit Bennett konnte ich mich schnell anfreunden. So schlimm wie seine Praktikantin ihn anfangs hingestellt hatte, war der Chef dann doch nicht ;)
Die Geschichte und den Erzählstil der beiden Romanautorinnen fand ich an sich sehr gut. Mich hat allerdings die Tatsache gestört, dass sich die beiden Darsteller absolut nicht zurückhalten konnten. Es war quasi kein Ort vor den Beiden sicher. Das wirkte dann doch etwas unpassend. Dafür gibts von mir einen Punkt Abzug. Den zweiten Teil der "Beautiful"-Reihe werde ich aber trotzdem bald auch noch lesen.

Fazit: Ein im Großen und Ganzen gelungenes erotisches Buch für zwischendurch. Etwas zu viel was manchmal leider doch. Für Freunde dieses Genres kann ich es aber definitiv empfehlen.

Reihenfolge:
01. Beautiful Bastard
02. Beautiful Stranger

Bewertung:

Vincent Kliesch: Im Augenblick des Todes (Severin Boesherz 02)


Severin Boesherz' freier Tag im Park wird durch einen unbekannten Besucher gestört: Ein Typ namens Ismael lockt den Kommissar ausgerechnet zu einem Tatort: Eine genaue Nachbildung von Severins bisher einzigem ungelösten Fall! Ein Arzt wurde auf grausame Weise ausgeweidet und skalpiert. Das dies nicht das einige Opfer des Täters bleibt, ist Severin schnell klar. Denn der Täter hinterlässt kleine Hinweise, die nur Boesherz zu entschlüsseln vermag...

Vincent Kliesch hatte mich ja bereits mit seinem ersten Buch "Die Reinheit des Todes" mit seinem Ermittler Julius Kern überzeugt. Und auch Severin schloss ich bei seinem ersten Fall "Bis in den Tod hinein" letztes Jahr sofort ins Herz. Ich mag diesen superintelligenten, distanzierten und verschlossenen Eigenbrötler einfach!
Sehr gefreut hat mich ein Wiedersehen mit Julius Kern, der zu einem guten Freund Severins geworden ist. Ein paar Andeutung bezüglich Tassilo und Kern hat der Autor im Buch fallen lassen, und lässt auf weitere Auftritte meines anderen Berliner Lieblingsermittlers hoffen!
Im Gegenzug zum Vorgänger hat Kliesch mit der Auflösung bezüglich des Täters seine Leser länger warten lassen, und ich bin ihm bis zur Kellerszene nicht auf die Schliche gekommen. Bei einem anderen Punkt in diesem Buch dafür umso schneller. Was mich aber gar nicht gestört hat, denn die Auflösung des gesamten Rätsels war schlüssig und gut durchdacht.

Der flüssige, kurzweilige und packende Schreibstil hat mich mal wieder völlig in seinen Bann gezogen und da ich es so gar nicht aus der Hand legen mochte, habe ich das Buch in kürzester Zeit regelrecht verschlungen.
Weiter so!

Fazit: Großartig! Ich mag diesen eigenwilligen Ermittler mit all seinen Ecken und Kanten! Absolute Leseempfehlung von mir!

Reihenfolge:
01. Bis in den Tod hinein
02. Im Augenblick des Todes

Bewertung:

Robert Kirkman: Was das Herz begehrt (The Walking Dead 04)


Eigentlich dachte die Gruppe um Rick Grimes das Gefängnis wäre eine Sichere Zuflucht vor dem Grauen außerhalb der Zäune. Doch die zurückgebliebenen Insassen wollen ihr "Zuhause" für sich. Rick muss handeln...

Die Comic Reihe um die wohl bekannteste Zombie-Apokalypse richtet ihr Augenmerk im 4. Teil verstärkt auf das Verhalten der Menschen. Sind die Entscheidungen die Rick im Sinne der Gruppe trifft die Richtigen? Wer sind überhaupt die wahren Monster?
Auch dieses Büchlein hat wieder richtig Spaß gemacht zu lesen. Mal sehen wie lange ich der Comic-Reihe, die nun schon gut 20 Bände umfasst treu bleibe.
Aber irgendwie muss ich ja die Zeit bis zur nächsten TV-Staffel überbrücken, und das gelingt mit der Comicvorlage sehr gut, auch wenn es gravierende Abweichungen zur Verfilmung gibt.

Fazit: Es bleibt weiterhin spannend um Rick Grimes und seine Leute. Zum 4. Mal absolute Leseempfehlung von mir für diese Comic-Reihe!

Reihenfolge:
01. Gute alte Zeit
02. Ein langer Weg
03. Die Zuflucht
04. Was das Herz begehrt

Bewertung: